Zeit zu zweit8 Min. Lesezeit
Je zwölf Türchen: ein Adventskalender für zwei
Ein selbstgemachter Adventskalender für zwei: Ihr teilt die Türchen in ungerade und gerade auf und füllt jeweils zwölf. Dazu Ideen, die fast nichts kosten, ein Plan, der bis zum 24. hält, und wie das Ganze klappt, wenn ihr ein paar Tage getrennt seid.

Vierundzwanzig nummerierte Umschläge an einer Schnur neben der Küchentür. Ihr teilt sie in ungerade und gerade Nummern auf, und was hinter den Türchen des anderen steckt, erfahrt ihr erst an dem Morgen, an dem eins aufgeht. Ihr schreibt beide zwölf und öffnet zwölf, und zu kaufen gibt es fast nichts. Hinter jedem Türchen wartet eine Erinnerung mit einem Detail, das sonst niemand behalten hätte, eine Frage für den Abend, ein Plan für zehn Minuten oder etwas, das euch diese Woche über den Weg gelaufen ist.
Ungerade, gerade, eine Schnur
Der erste Advent ist dieses Jahr am Sonntag, 29. November, aber selbstgemachte Kalender laufen meist einfach vom 1. bis 24. Dezember. Versteht euren also als Countdown durch den Dezember, egal ob euch der Advent etwas bedeutet, und hängt ihn am letzten Novemberwochenende auf.
Ihr braucht 24 kleine Umschläge oder Papiertüten, einen Stift, Schnur und Wäscheklammern. Nummeriert die Umschläge durch. Statt Schnur und Wäscheklammern tut’s auch ein Schuhkarton oder ein Schraubglas. Wer gern das letzte Wort hat, schreibt die geraden Türchen, denn dazu gehört die 24.
Die Regel ist einfach: Ihr macht immer die Türchen des anderen auf, nie eure eigenen, beim Frühstück oder einfach nach dem Aufstehen. Ein Umschlag darf bis zum Abend davor leer hängen, nachgeschaut wird erst am Morgen.
Wenn ihr nicht zusammenwohnt, tauscht ihr im November verschlossene Bündel, persönlich oder per Post, und in jeder Wohnung hängen die zwölf, die dort geöffnet werden. Erinnerungen und Fragen kommen fertig geschrieben hinein. Für die Türchen, die erst im Dezember entstehen können, also kleine Funde und Pläne, die vom Tag abhängen, steht im Umschlag nur ein Satz: „Schau um 8 aufs Handy.“ Das eigentliche Türchen kommt dann an diesem Morgen als Foto oder Nachricht, geschrieben am Vorabend. Und wenn bei dir noch tiefe Nacht ist, während es dort acht Uhr ist, verschickst du es zeitversetzt.
Wenn ihr den Kalender ganz aufs Handy verlegt, dann ohne geteilte Notiz: Darin seht ihr beide sofort den ganzen Monat. Schreibt eure zwölf lieber jeder für sich in eine private Notiz und schickt jedes Türchen an dem Morgen, an dem es dran ist.
Der Kalender 2026 meint es gut mit dieser Aufteilung. Die Wochenenden fallen auf den 5./6., 12./13. und 19./20. Dezember, also schreibt jeder von euch drei Wochenendtürchen, und dort ist Platz für die längeren Pläne.
Sind euch vierundzwanzig für diesen Dezember zu viele? Dann nehmt nur jeden zweiten Tag und füllt die Türchen abwechselnd. Oder nur die Wochenenden. Oder einer von euch füllt dieses Jahr zwölf Türchen für den anderen, und nächstes Jahr wird getauscht.
Erinnerungstürchen: das Detail, das auf keinem Foto ist
Ein Erinnerungstürchen nennt einen Moment und dazu das, was nur du dir gemerkt hast.
- Ein ausgedrucktes Foto aus dem ersten gemeinsamen Winter, hinten drauf ein Satz: „Du hattest gerade den Reis anbrennen lassen. Zum Abendessen gab’s Chips, und wir haben es Picknick genannt.“
- Das Ticket von dem Konzert, bei dem ihr zwei Stunden hinter dem größten Mann der ganzen Halle gestanden habt.
- „Unser erster richtiger Streit ging darum, wie man die Spülmaschine einräumt. Du hattest recht. Gesagt hab ich’s nie.“
- „Der Nachtbus nach der Hochzeit deiner Cousine, als du an meiner Schulter eingeschlafen bist, die Schuhe auf dem Schoß.“
Die besten werden zum Plan. Türchen 9 geht an einem Mittwoch auf und verplant schon das Wochenende: „Samstag, 10 Uhr, die Bäckerei, wo wir den Regen abgewartet haben.“
Wer noch nicht lange zusammen ist, hat trotzdem genug Stoff. Eine Erinnerung vom September zählt, genauso wie das erste Mal, als ihr euch absichtlich zum Lachen gebracht habt.
Fragetürchen: morgens geöffnet, abends beantwortet
Eine Frage beim Frühstück gibt dem Tag etwas, worauf ihr abends zurückkommt. Frag, was du wirklich noch nicht weißt:
- „Was hast du dir mit neun zu Weihnachten gewünscht, und hast du es bekommen?“
- „Was gab es bei euch an Heiligabend zu essen, und wer hatte in der Küche das Sagen?“ Wenn ihr in verschiedenen Ländern aufgewachsen seid, reicht die allein für den ganzen Abend.
- „Bei welchem Geruch im Dezember bist du sofort wieder da, wo du aufgewachsen bist?“
- „Über wen redest du ständig, den ich noch nie getroffen hab, und was sollte ich wissen, bevor es so weit ist?“
- „Was würdest du vom Dezember bei deiner Familie behalten, und was still und leise streichen?“
Würde sich bei einer Frage einer von euch aufrechter hinsetzen, klingt sie nach Fragebogen. Schreib sie um, bis du sie genauso gut beim Abwasch stellen könntest.
Zehn-Minuten-Pläne, die zum Tag passen
Bevor du einen schreibst, schau, was an dem Tag sowieso schon los ist. Das Donnerstagstürchen sollte keinen Spaziergang vorschlagen, wenn am Donnerstag Spätschicht ist.
- „21 Uhr, Balkon, Jacken an, heißer Kakao, keine Handys. Zehn Minuten.“
- „Heute machen wir einen Umweg nach Hause, vorbei an dem Haus mit dem aufblasbaren Rentier.“
- „Ich les dir das erste Kapitel von dem Buch vor, von dem ich dauernd rede. Einschlafen ist erlaubt.“
- „Jeder das Lied, das früher im Dezember bei euch zu Hause in der Küche lief.“
- „Ab zurück ins Bett. Kaffee kommt.“
Alles, was länger als zehn Minuten dauert, gehört hinter ein Wochenendtürchen oder wird früh angekündigt, so wie bei Türchen 9.
Kleine Funde: unterwegs entdeckt, nicht als Geschenk gekauft
Dieses Türchen hält den Kalender in der dritten Woche am Leben, gerade weil man es im November noch nicht schreiben kann. Lass ein paar von deinen absichtlich leer und füll sie mit dem, was die Woche dann wirklich bringt. Was nicht in den Umschlag passt, wartet unter der Schnur.
- Eine Clementine mit Blättern dran, vom Obststand vor dem Bahnhof.
- Ein Tannenzapfen vom Spaziergang in der Mittagspause, mit einem Zettel, wo du ihn gefunden hast.
- „Der Mann in der Bahn um 8:12 hat einen kompletten Schal gestrickt. Dachte, das solltest du wissen.“
- Das Plätzchenrezept aus der Familie einer Kollegin, von Hand abgeschrieben, dazu: „Sonntag? Du wiegst ab, ich ess den Teig.“
- Die Postkarte aus dem Museumsshop von dem Nachmittag, an dem du allein dort warst.
Faustregel: Was mehr gekostet hat als ein Kaffee, ist ein Geschenk, und das ist ein anderer Kalender.
Ein Abend im November, damit keiner um Mitternacht schreibt
Geplant wird getrennt: Nimm dir in der letzten Novemberwoche deine zwölf Nummern vor und wirf einen Blick in den Dezember, auf die Spätschichten, die Weihnachtsfeier im Büro, das Wochenende bei deiner Schwester. Wenn dein Bündel per Post reist, setz dich ein, zwei Wochen früher dran, sonst kommt es nicht rechtzeitig zum 1. Dezember an.
- Schreib dir auf einem Zettel mit Bleistift die Türchenart neben jede deiner Nummern, nicht auf die Umschläge. Je drei pro Art sind ein guter Anfang, und auf dem Zettel siehst du gleich, wenn zwei Fragen direkt aufeinanderfolgen.
- Schreib die Erinnerungen und Fragen gleich an diesem Abend. Die hängen nicht davon ab, was der Dezember bringt.
- Lass die Funde und die meisten Pläne leer. Sammel in einer Notiz auf dem Handy alles, was ein gutes Türchen wäre, und füll jeden Umschlag am Vorabend.
- Schreib zwei Reserve-Türchen, eine Erinnerung und eine Frage, und leg sie in eine Schublade. Wenn ein Dienstag aus dem Ruder läuft, kommt eins davon in den Umschlag, und keiner kritzelt um Mitternacht ein Türchen auf die Rückseite eines Kassenzettels. Wohnt ihr nicht zusammen, hängt der Umschlag ja beim anderen. Dann geht die Reserve als Foto raus.
- Leg dir einen wiederkehrenden Termin an, sonntagabends, um die Türchen der Woche durchzugehen.
Ein Türchen, das einen Tag zu spät aufgeht, ist trotzdem ein Türchen.
Auf Reisen: Türchen im Gepäck
Papiertürchen lassen sich leicht einpacken. Vor einer Reise gibt, wer zu Hause bleibt, die verschlossenen Türchen für die Reisetage mit. Wer fährt, füllt die eigenen für zu Hause und lässt sie an der Schnur hängen. Funde und Pläne, die sonst erst am Vorabend entstehen, ersetzt ihr durch einen Zettel: „Schau um 8 aufs Handy.“ Türchen 15 geht dann im Hotelzimmer auf, Türchen 16 zu Hause neben dem Wasserkocher.
Manche Türchen werden unterwegs zu etwas anderem:
- Fragen werden zum Telefonat am Abend.
- Pläne finden an zwei Orten gleichzeitig statt: „21 Uhr, am Telefon, wir beide mit derselben Schokolade. Deine steckt im Seitenfach deiner Tasche.“ Oder: „Such die nächste Weihnachtsbeleuchtung und schick mir ein Foto davon.“
- Funde werden sogar leichter: die Keksspezialität von dort, der Blick vom Bahnsteig, das grässliche Bild im Hotel. Das Foto kommt am Morgen, und der Keks reist in der Manteltasche mit nach Hause.
Auf dem Handy schreibst du das Türchen am Vorabend oder vor der Abreise und planst es so, dass es beim anderen zum Frühstück ankommt. Mit dem iPhone klappt das, wenn ihr beide iMessage nutzt. Dann kannst du in der Nachrichten-App eine iMessage für später planen: Tipp auf das Plus, dann auf „Später senden“ (je nach Menü erst auf „Mehr“) und wähl die Uhrzeit. Die Nachricht geht auch dann raus, wenn dein Handy bis dahin aus oder offline ist. In Google Messages auf Android hältst du die Senden-Taste gedrückt und wählst eine Uhrzeit; ist dein Handy in dem Moment offline, geht die Nachricht erst raus, wenn es wieder online ist.
Am 25.: Karten aufheben
Steckt die Karten und Zettel in einen Umschlag, Gummiband drum, und ab damit in die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck. Wenn eure Türchen Nachrichten waren, kopiert sie in eine einzige Notiz mit einem Namen, den ihr wiederfindet, etwa „Türchen 2026“. Lest nächsten November die vom letzten Jahr, bevor ihr die neuen schreibt. Dann stellt keiner dieselbe Frage zweimal, und das Lesen ist schon für sich ein schöner Abend.
Kleine Dinge, mit Bedacht geteilt.
Das Knowna-Journal